– von Frank Müller –

Preisfrage: Was tun Musiker, wenn sie sich treffen am Liebsten? Nun, eben genau das, was sie am Besten können. Musik machen. Was die Besucher am Samstag Abend in der katholischen Kirche St. Martin in Oppau miterleben durften, war nicht nur ein Benefizkonzert zu Gunsten von Kindergärten. Nein es war vielmehr eine eindrucksvolle Demonstration, wie Musiker Kontakte knüpfen, ausbauen und mit höchster Sangesfreude ihrem Lieblingshobby nachgehen.

Über den Hintergrund haben wir bereits hier berichtet.  Pünktlich um 19 Uhr begann das Konzert mit einer Einleitung von Hubert Eisenhauer, der wie immer routiniert moderierte. Nach einer kurzen Ansprache des Ortsvorstehers Udo Scheuermann und ein paar kurzen Begrüßungsworten der französischen Chorleiterin, ging es los. Im Beisein vieler Prominenter und dem Bürgermeister der französischen Partnerstadt Breuill-Le-Sec erlebten die Besucher ein aussergewöhnliches, musikalisches Feuerwerk.

Karibisches Flair in Oppau

Gleich zu Beginn zeigte der französische Chor Le Groupe Limyé`A aus Liancourt-Moigneville, seine karibischen Wurzeln. Mit farbenfrohen Gewändern und einem sehr rhythmuslastigen Stück leitete der Chor das eindrucksvolle Konzert ein.
Auch in langsamen Stücken dominierte die Ausdrucksstärke des Chores, der über das ganze Jahr hinaus ständig (mindestens 52 Mal) unterwegs ist. Mit La Mere, einem sehr bekannten Klassiker, wie auch mit „What a wonderful world“ von Louis Armstrong, bewiesen die Franzosen ihr grosses Talent. Sie sorgten vor allen Dingen für internationales Flair mit Kompostionen aus ihrer kreolischen Herkunft, gesungen in der Originalsprache. 

Konzertante Einlagen

Als Einlage hörten die Besucher das Melos-Ensemble. Es besteht normalerweise aus mehreren Personen. Für diesen Abend kamen, zwei Frauen – Die Pianistin und die Sologeigerin. Auch sie hielten mit ihrem Können das Niveau des Abends sehr hoch. Besonders beachtenswert, war die Interpretation von Summertime, aus dem Musical Porgy and Bess von George Gershwin. Zu diesem Zeitpunkt war das Publikum nur noch schwer zu halten. Längst hatte die Begeisterung, die von den Musikern ausging, das Publikum eingefangen. Lange Applaus-Einlagen der Zuhörer zeigten auch den Initiatoren des Konzertes, dass hier der Nerv der Zeit voll getroffen wurde.

Das Sängerland

Von allen erwartet – Die Sängerinnen und Sänger des „Jungen Chor Take Four – Sängerland“.
Gleich beim ersten Lied, „Irgendwo auf dieser Welt (Somewhere in the World)“, demonstrierten die Musiker, dass auch der Oppauer Chor weiss, wo der musikalische Hammer hängt. Unter der Leitung von Stefan Merkelbach zelebrierten die Vokalartisten, einer der grössten Klassiker den die Comedian Harmonists in Perfektion 1932 uraufführten. In der Folge haben sehr viele weltberühmte Musiker dieses Lied interpretiert. Gerade die Akkordwechsel und die Halbtonschritte, machen dieses Lied für Chöre zu einer echten Herausforderung. Der junge Chor Take Four, absolvierte dieses Stück mit einer Leichtigkeit und Professionalität, die man bei solchen Chöre oft vermisst. An diesem Abend haben die Sängerländer die Messlatte wieder hoch oben angesetzt. 

Das Publikum quittierte die exzellente Darbietung mit minutenlangem Applaus und Begeisterungspfiffen. Spätestens jetzt war klar, dass hier etwas ganz Außergewöhnliches geboten wurde. Doch das Sängerland wäre nicht der Ausnahmechor, wenn es nicht fulminant weiter ginge. Mit Conquest of Paradise, von Vangelis setzen die Oppauer Könner das Hymnen-Thema perfekt um.  Das war, ohne Wenn und Aber, Gänsehaut bis die Hautnerven vibrierten.

Der junge, griechische Chor

Der griechische Chor Orpheus, zu 80% aus deutschen Mitgliedern bestehend, wurde angesichts der beiden anderen Chöre und deren jahrelange Erfahrung stark gefordert. Die Musikerinnen und Musiker, die seit ca. zwei Jahren zusammen singen, konnten sich stellenweise nicht so dynamisch präsentieren, wie es die eingespielten Akteure der anderen Chöre taten. Es ist allerdings nur eine Frage der Zeit und der steigenden Routine, bis auch dieser Chor entsprechend an Dynamik aufgeholt hat. (Die Dynamik bezeichnet den Abstand zwischen dem leistesten und dem lautesten Ton – die Red.) Dennoch war es eine Ohrenweide, Lieder wie e suis grecque von J. u. R. Dassin oder Kompositionen von Mikis Theodorakis, dieses noch jungen Chores zu hören.

Die gemeinsamen Stücke und der absolute Höhepunkt des Abends
Die gemeinsamen Stücke, die der deutsche und französische Chor, sowie der griechische und der französische Chor zusammen darboten, setzten einen weiteren Glanzpunkt an diesem Abend der Superlative. 

Die Krönung und das absolute Highlight stellte das gemeinsame Singen aller drei Chöre dar. Das Publikum längst in völliger Musikbegeisterung, durfte zum Abschluss miterleben, dass es für echte Musiker ein Riesenspaß ist, mit anderen Musikern gleich welcher Nationalität oder Hautfarbe zusammen auf der Bühne zu stehen.

Mit „An Irish Blessing“, einem Traditional aus Irland verabschiedeten sich die drei Chöre. Am Ende, als das Publikum dachte, das Konzert wäre zu Ende, forderten die Chöre unter der sichtbar glücklichen Führung der französischen Chorleiterin mit Kumbaya (Kumbaye) zum Finale, mit Publikumsbeteiligung auf. Es gab kein Halten mehr. Alle standen auf. Und Alle sangen mit. Internationales Gospelfeeling in Oppau.
Ein grosses Lob an die Organisatoren für dieses tolle Konzert und ein Dank an alle Beteiligten Musiker für die außergewöhnliche Leistung. Das Publikum war restlos begeistert und feierte am Schluss alle Musiker mit sehr langem frenetischem Applaus, Pfiffen und Begeisterungsrufen.

„Wer das nicht erlebt hat, der hat echt etwas versäumt“, sagte eine Besucherin
 

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Foto: Oppau.info