Fasnacht: Rekordandrang bei einzigem Stadtteilumzug / Zum 54. Mal zieht der bunte Lindwurm durch die beiden nördlichen Stadtteile

– von Agnes Polewka –

„Was für die Mainzer der Rosenmontag ist, ist für uns Oppauer der Fasnachtsdienstag“, sagt Hans-Konrad Schnabel. Der Ur-Oppauer muss es wissen. Seit Jahren pilgert er mit seiner „ganzen Sippschaft“ zum gemeinsamen Oppau-Edigheimer Fasnachtszug. So auch heute. Schnabels Blick wandert die Friesenheimer Straße entlang. Tausende Narren säumen den Zug – so viele wie heute waren es noch nie: 35 000 an der Zahl.

„Michaela“ dröhnt es aus den Lautsprecherboxen. Die Mittagssonne taucht das närrische Treiben in ein warmes Licht. Bienen und Ritter liegen sich schunkelnd in den Armen. In „Obba“ geht’s eben familiär zu. „Bauer braucht Sau“ Der Motivwagen der Rheinschanze bahnt sich seinen Weg durch die Menge. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy sind im Wettstreit um die Euro-Flagge zu erkennen. Gleichsam hat die „närrische Europäische Zentralbank“ eine Reihe weißer Fahnen gehisst. Getreu dem Motto: „Euro in Not – alle in einem Boot“. Ein Patent-Rezept gegen die Euro-Krise haben die Narren zwar nicht im Gepäck, dafür aber kiloweise Zwiebeln. Unter den Schaulustigen ist Cowgirl Alina. Sie streckt den Karnevalisten ihren Beutel entgegen, um ihr Säcklein füllen zu lassen. Passenderweise prangt darauf das Euro-Emblem.

Kurz darauf beobachtet Nachwuchsnärrin Alina eine Herde pinkfarbener Schweine, die an ihr vorüberziehen: die Fußgruppe um Privatmann Gerd Urban. „Bauer braucht Sau“ liest man auf ihren Schildern. Mit weit aufgerissenen Augen verfolgt die Vierjährige das tierische Treiben. Alinas Oma, Maria Franz, ist hin und weg. „Die waren aber süß.“, ruft sie aus. Für die Friesenheimerin ist der Besuch in Oppau Pflicht. „Ich habe früher hier gearbeitet und nachmittags ging es immer auf den Zug.“ Dieses Jahr hat das Fasnachtsfieber die als Pippi Langstrumpf Verkleidete ganz besonders gepackt: „Am Donnerstag war ich auf der Frauensitzung in Ruchheim, am Sonntag auf dem Umzug in der Stadt und heute hier.“ Enkelin Alina hat ein ähnliches Fasnachtspensum hinter sich gebracht. „Aber es lohnt sich“, weiß sie. Die Spielmannszüge haben es der Friesenheimerin besonders angetan.

Ein Clown heizt derweil den Massen am Straßenrand ein – und verliert seine Nase. „Drei kräftig donnernde Ahoi auf meine rote Nase“, schreit er ins Megafon. Den Narren gefällt’s. Ihre Antwort fällt ohrenbetäubend aus. „Das ist es, was die Fasnacht ausmacht: Alle ziehen mit“, meint „Ur-Oppauer“ Schnabel.

Früher sei das Ganze noch nicht so straff durchorganisiert gewesen, erinnert sich der 62-Jährige zurück. Da habe man sich eben getroffen und sei losgezogen. „Da standen aber auch nur 3000 Leute am Straßenrand. Es ist unglaublich, wie sich das entwickelt hat“, so Hans-Konrad Schnabel. Trotz professioneller Organisation habe sich der Zug seinen familiären Charakter bewahrt. Genau darin liegt der Reiz der Veranstaltung, meint Schnabel.

Auch auf der Zielgeraden noch bester Laune: die Sänger des Chores Take Four. Getreu ihrem Motto „Stimmung, Spaß und viel Humor, komm doch singen zu Take Four.“

Eine Jury hat im Anschluss an den Zug die schönsten Wagen und Kostüme der Fußgruppen gekürt. Prämiert wurden nur private Teilnehmer. Bei den Wagen siegte die Jugendfußballabteilung des ASV Edigheim. Der Wagen von Gerd Urban und der Schalker Fan-Club (BSC Oppau) landeten auf Platz Zwei und Drei.

Bei den Fußgruppen belegte der Männerchor Oppau den ersten Platz, vor der Tanzgruppe von Martina Benz und dem Chor Take Four.

MM22FEB12