Oppau: Nachwuchs löst sich vom Sängerbund –
Neuer Verein gegründet

von Redakteur Andreas Lang

Sie galten als die singenden Botschafter der Stadt, doch in den letzten Jahren ist es merkwürdig still geworden um die „Oppauer Dorfschwalben“. Die Neugründung des Vereins „Sängerland“ Mitte des Monats (wir berichteten) ließ erste Rückschlüsse auf die Ursache für die Funkstille zu. Es liegt offenbar in atmosphärischen Störungen zwischen dem Vorstand des Sängerbundes Oppau und dem von Fritz Neuer seit mittlerweile Jahrzehnten auf hohem Niveau betreuten Nachwuchs.
Die Differenzen haben sich in jüngster Zeit derart vertieft, dass die Trennung des Vereins von seinem Aushängeschild nicht mehr zu vermeiden war. Dabei hat sich nicht nur ein Häuflein Oppositioneller oder Renitenter vom Sängerbund entfremdet, sondern – mit einer Ausnahme – die komplette Dorfschwalbenschar. 23 von 24 Sängern sind in den neuen Club übergetreten. Bei der ersten Probe hatten vier frühere Dorfschwalben wieder Lust zum Singen. Mit zehn Ehemaligen steht der neue Sängerland-Vorstand in Kontakt.
Und auch der Vater der Dorfschwalben bleibt seinem Erfolgschor treu. Fritz Neuer, der die Sänger in den 80er Jahren bis in die amerikanische Partnerstadt Pasadena hat ausfliegen lassen können, hat seinen langjährigen Vertrag mit dem Sängerbund gelöst und will seine fundierte und weithin anerkannte Sängerausbildung mit den vertrauten Gesichtern und Stimmen fortsetzen. Und sie wieder häufiger auf die Bühnen zurückbringen, auf denen sich die früheren Dorfschwalben rar gemacht haben. Ihr letzter bemerkenswerter Auftritt jenseits der Stadtgrenzen liegt bald drei Jahre zurück. Abgesehen vom traditionellen Tag des Liedes in Oppau flatterten die Schwalben in jüngster Zeit kaum mehr aus.
„Wir wollten vor allem die starren Altersgrenzen zwischen den Chören aufbrechen“, benannte der neue Sängerland-Vorsitzende und frühere Sängerbund-Schriftführer Ingo Hentel einen Konfliktpunkt. „Wir sehen uns als junger Chor und nicht als Chor ausschließlich für Jugendliche.“ So sei es in der neuen Formation endlich möglich, dass Generationen zusammen singen, etwa Mütter mir ihren Kindern.

Markenzeichen geht verloren
Die ersten Reaktionen auf die Neugründung seien ermutigend. Für Anfang Mai ist eine Schulung in Wolfstein geplant, erste Auftritte sind avisiert. Vom Markenzeichen Dorfschwalben hat sich der Chor innerlich verabschiedet, Ende Juli soll er umgetauft werden. Dass der neue Verein dem bestehenden zum verwechseln ähnlich klingt, fasst Hentel nicht als Provokation auf. Der Titel „Sängerland“ ist seiner Stellvertreterin Heike Fischer als spontane Eingebung gekommen.
Aus Sicht der Vorsitzenden des Sängerbundes, Gisela Fulst, schwelt der Konflikt seit Jahren. Seinen Ausgang habe er mit unterschiedlichen Ansichten über Altersgrenzen zwischen den einzelnen Chören genommen, sich aber nicht darauf beschränkt. Das Tischtuch sieht sie ebenfalls als zerschnitten an, eine Verschmelzung unter einem Dach kann sie sich aktuell nicht vorstellen. Dass sich der langjährige Dirigent der Dorfschwalben, Fritz Neuer, unmissverständlich zu der Nachfolgeorganisation bekannt hat – was eine starke Außenwirkung hat -, schmerzt die Vorsitzende. Damit will sie die Jugendarbeit aber nicht einstellen. „Wir stehen vor einer Zäsur, der Imageschaden ist beträchtlich, aber das werden wir schon verkraften“, äußerte sie sich zuversichtlich. Die Vorsitzende von derzeit fast 150 Mitgliedern hat volles Vertrauen in die beiden jungen Chorleiter Gesine Mayer und Peter Herrbold, die neben den Dorfschwälbchen, dem Gemischten und dem unlängst zusammengestellten Projektchor die Aufbauarbeit im Jugendbereich mitbewältigen sollen. Dafür soll nun intensiv geworben werden. Erste Workshops seien bereits in Planung. „Die Entwicklung ist ärgerlich und enttäuschend“, meinte Fulst, seit 14 Jahren Sängerbund-Vorsitzende. „Solange ich aber nicht weiß, warum Konsequenzen so gezogen worden sind, wie sie sich ergeben haben, kann ich auch nichts ändern“.